Leben IST Lernen

Gerd Altmann pixelio.de

In einem Blog habe ich heute einen interessanten Artikel über eine Mutter gelesen, die über ihre Erfahrungen zum Thema lebenslanges Lernen berichtet. Aus ihrem Artikel stammt auch der Titel dieses Beitrages, nämlich „Leben IST Lernen“. Sie berichtet von ihrer Einstellung zum Lernen und das viele Jugendliche meinen, dass das Lernen nach der Schule aufhört und fürs weitere Leben nichts bringt. Interessant finde ich auch, dass sie darüber schreibt, dass vielen die Erkenntnis das dies nicht so ist, dass man eben doch für sich und für das Leben lernt und nicht für die Schule, meist erst viel zu spät kommt. 

Ebenfalls beschreibt sie den Konflikt der jedesmal dann entsteht, wenn sich eine Person für das Lernen in der Freizeit entscheidet (ob gewollt oder eher gezwungen [aufgrund neuer Gegebenheit im Beruf o.ä.]). Lernen gerät dann in Konkurrenz mit dem Privatleben, mit der Familie, mit dem Hobby, mit Freunden… allgemein gesagt mit der kostbaren Freizeit, von der man ja meist eh zu wenig besitzt. Neben dieser eher negativen Darstellung beschreibt sie auch das Gefühl, wie toll Lernen aber auch sein kann und welche positive Effekte daraus gezogen werden können. Neben dem Effekt, dass etwas neues gelernt wurde, kann man auch an mehr Selbstvertrauen gewinnen, da man den Lernprozess von sich aus bis zum Ende durchgezogen hat, vielleicht hat es irgendwo auch Spaß gemacht?! Oder der Mehrwert wird erkannt: das Erlernte erleichtert zum Beispiel die Arbeit im Beruf, oder Kollegen zeigen Respekt vor dem was erreicht wurde. Ganz zu schweigen davon, dass der Horizont erweitert wurde.

Lernen war für mich früher in der Schule in einigen Fächern ein Übel das erledigt werden musste. Bei Themengebiete die mich interessierten, fiel es mir viel leichter etwas darüber zu lernen und auch zu behalten. Das selbe spiegelt sich im Studium wieder. Der Master-Studiengang, den ich gerade belege, ist genau das was ich machen möchte. Dadurch, dass mich die Inhalte des Studiums durchweg interessieren, ist das Lernen und Beschäftigen mit studienrelevanten Inhalten kein „Muss“ sondern eher ein „Kann“ oder „Darf“. Es macht mir Spaß. Lernen macht mir Spaß. Das hätte ich früher so auch nicht gedacht. Aber das ist wohl bei vielen Menschen so, dass die Einsicht erst später erfolgt. Aber wie heißt es doch: besser spät als nie.

Ein Thema ist mir beim schreiben des letzten Absatzes in den Kopf gekommen: Wie können Kindern und Jugendliche schon in der Schulzeit darauf sensibilisiert werden, dass Lernen nicht nur innerhalb der Institution Schule statt findet, sondern im ganzen Leben?! Dazu bald mehr.

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Dieser Beitrag wurde unter Erfahrungen mit LLL veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Leben IST Lernen

  1. lenakraaz schreibt:

    Hi Martina!
    Du schreibst, lernen war für dich in der Schule zum Teil ein notwendiges Übel. Genauso ging es mir in der Schule bei den Fächern, die ich eben nicht mochte. Ich finde, das Positive an der Idee des lebenslangen Lernens ist die Wahlfreiheit, die man hat. Seine Hobbys, seine Sozialkontakte, seine Bücher etc., das alles kann man sich jetzt aussuchen und für sich gestalten. Das spätere Lernen ist nicht mehr so fremdbestimmt.
    Ein schöner Blog mit guten Beiträgen!

  2. Sabine Siemsen schreibt:

    Hallo Martina,

    ein hochaktueller Artikel! Und Deine Idee, hier die Frage des LLL nicht „nur“ auf das Erwachsenenalter zu beziehen, sondern eben auch auf die Zeit, die darauf vorbereitet und sozialisiert – und schließlich zum „lebenslang“ dazugehört, was gerne vergessen wird – finde ich überfällig in den Diskussionen um’s LLL!

    Im Artikel heißt es „Schade, dass uns diese Erkenntnis erst so spät gekommen ist“ .. das passt gut zu Deiner Fragestellung.

    Aber auch aus einer anderen Perspektive ist der Satz spannend – denn man könnte die Sache ja auch so angehen, dass in den Köpfen von Politik und Gesellschaft endlich mal ankommt, dass kontinuierliche, gradlinige „Normalbiografien“ eben „out“ sind – und eigentlich finde ich das gut! Warum heißt Weiterbildung heute immer noch für die Ü30 zum fast ausschließlichen Teil (zumindest wenn man von Beratung und Förderung ausgeht) berufliches Lernen? Fachbezogenes oder sogar betriebsbezogenes Lernen? Und Allgemeinbildung wird für diese Altersgruppe dann höchstens noch mit VHS und Sprachenlernen in Verbindung gebracht.

    Würde es „normaler“, dass man auch nach einer ersten beruflichen – oder familiären – Phase noch Schulabschlüsse nachholt und studiert, würde man an zwei Baustellen arbeiten: Wir würden der demografischen Situation gemäß die Potentiale der Gesellschaft nutzen, die massenweise da sind – und wir würden etwas gegen die zunehmende „Bildungsferne“ vieler benachteiligter Haushalte tun und dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche dort Lernen als förderungs- und erstrebenswert erleben, statt -hart und sicher (leicht) überzogen formuliert – auf ein Leben mit Hartz IV vorbereitet werden.

    Sicher für Dich und die Leser dieses Blogs auch interessant: Auf meiner Community zur Förderung des zweiten Bildungswegs habe ich „Erfolgsgeschichten“ gesammelt – Biografien von Menschen, die keinen gradlinigen Berufs- und Bildungsweg durchlaufen haben, sondern den Mut hatten, es anders zu machen – da sind spannende Geschichten dabei, die motivieren und zeigen, es geht auch anders: http://www.sieseco.de/category/erfolgsgeschichten/

    Viel Spaß und Erfolg mit diesem Blog!

    Sabine

  3. Doris schreibt:

    Hallo Martina,

    lebenslanges Lernen, das ist auch mein Motto!
    Durch meine Arbeit in der beruflichen Weiterbildung beschäftige mich sehr mit der Bildung im Erwachsenenalter unter Einbeziehung von formellen und informellen Lernen, Selbststeuerung und Kompetenzentwicklung. Gerade das Weiterlernen stellt für viele Erwachsene eine Herausforderung dar, da sie es oftmals nach vielen Jahren nicht mehr gewohnt sind, sich mit Lernstoff auseinander zusetzen. Vor allem die statische Wissensvermittlung steht hier viel weniger im Mittelpunkt. Ich wünsche mir immer mehr Ansätze dem „erwachsenen Lernenden“ soviel wie möglich an Selbstständigkeit und Mitbestimmung zu vermittlen, was oft gar nicht so leicht ist, da viele Erwachsene das aufgrund ihrer schulischen Biographie nie richtig gelernt haben bzw. auch ihren persönlichen Nutzen daraus ziehen können. Deshalb arbeite ich auch gerne mit Lernkonzepten (siehe auch meinen Lernaufgabenblog , die diese Möglichkeiten zulassen). Das stösst zwar nicht immer auf reges Verständnis (Frontal ist halt auch bequemer), aber ich lasse nicht locker 🙂

    Mir gefällt deine Idee sehr gut!

  4. Viktoria Tanczer schreibt:

    Hallo!
    „lebenslangen Lernens ist die Wahlfreiheit“ Daran habe ich so positiv noch nie gedacht. Als Erwachsene finde ich es für eine sehr schöne Idee!

    Die Frage ist, ob man mit „Wahlfreiheit“ bei Kindern argumentieren kann. Ich kann mir vorstellen, dass sie sagen würden „Wahlfreiheit? Ok, aber dann ab sofort.“ Und würden sie gegen alle Fächer, die sie gerade nicht genießen, protestieren.
    Anfangs ist es, ich glaube, generell wichtig, das Lernen mit jeden Menge Erfolgserlebnissen zu bestätigen. Als Kind fände ich das wichtig, so oft, wie möglich zu hören, wie schön/gut es ist, wenn man gut lernt und wie klug ich bin, dass ich alles lernen kann, zu alles fähig bin usw.

    Ich glaube, ich habe die „es muss sein“ Seite des lebenslangen Lernens erst gegen 18-19 erfahren. Nicht viel davor habe ich gedacht, dass mein Papa bisschen viel zu früh gesagt hatte, dass „du lernst für dich, nicht für mich“ bla-bla. Bis dahin hat mich das bisschen philosophisch klingendes „lebenslange Lernen“ gar nicht interessiert, habe eigentlich davon gar nicht gehört. Der Druck meiner Umgebung (Eltern/Schule), dass ich zu den gut Lernenden gehören möchte/soll, hatte eine größere Effekt an mich, war viel motivierender, als irgendwas Anderes.

    Ich könnte die Entwicklungsphasen ca. so zusammenfassen: 1. Die Schule muss die Interessen der Kleinkinder wecken und alles (alle Fächer) ausprobieren lassen, möglicherweise ohne frühe Beurteilungen, wie „du bist kein Mathe Typ, oder sowas. 2. Die geweckte Interessen, Spaß am Lernen müssten unterstützt werden. 3. Ab ca. Klasse 6 bis Abi wäre es wichtig, den Kindern dauernd, quasi als „Brainwash“ sagen, dass es nicht uncool ist, wenn jemand etwas weisst und wissen möchte. Wenn jemand Lust hat zu Lernen, dann soll er sie in Ruhe gelassen und nicht „Sträber“ benannt werden. Die Sträber müssten lernen, dass sie auf dem richtigen Weg sind und später die „Lucky Winner“ werden und dass es sich lohnt, gegen den Strom zu schwimmen. 4. Der Spaß am Lernen, die Erfolgserlebnisse, die Wichtigkeit des Lernens führt irgendwie automatisch zu der Einsicht, dass wenn es Spaß macht, dann ist und wird Lernen bei jedem Alter Spaß.

    Diese sind meine erste Ideen. Sorry, mein Kommentar ist bisschen länger geworden.
    LG, Viktoria

  5. Pingback: Keine Lust! – Wie Kinder und Jugendliche zum Lernen motiviert werden können | Blllog

  6. Pingback: Leben ist Lernen … « Siemsens Selbstlerner Community

  7. Achim Gilfert schreibt:

    Hallo Martina,
    ein wichtiger Artikel. Besonders die Nähe und Ferne zu Weiterbildung ist interessant. So weist Baehtge 2004 folgende Aussagen aus. Weiterbildung als persönliche Bereicherung = 21%; Weiterbildung als notwendiger Zwang = 46%; Weiterbildung als Zumutung = 24%; nicht zuzuordnen 9%. Die Zahlen sind praktisch exakt so geblieben. Es wurden 4000 zufällig ausgewählte Haushalte ausgewählt.
    Ganz persönlich erlebe ich es so. Meine Tochter (15) lebt mit uns in einer Familie, die sich ständig weiterbildet. Häufig lernen wir alle zusammen am Wohnzimmertisch. Sie weiß genau, dass Veränderung und lernen immer präsent sein wird. Mal mehr, mal weniger. So bildet sie sich schon weiter als Streitschlichterin und Telefonbetreuerin für Jugendliche. Das sind zwar Anfänge, aber prägen den Begriff und lassen in Folge die Veränderung bereits im jungen Alter deutlich machen.
    Viele Grüße
    Achim

  8. fraulehrerin schreibt:

    Hallo Martina,
    ein spannender Artikel! Bei mir dieses Gefühl auch erst sehr spät. Ich bin gespannt auf deine Vorschläge, wie man dieses Gefühl des lebenslangen Lernens schon Kindern und Jugendlichen vermitteln kann.

    @Viktoria: Streber, das sind aus meiner Erfahrung eher die, die selbst unter enormem Druck stehen (völlig egal, wer ihn ausübt). Denen macht Lernen nicht unbedingt Spaß, sie sehen es aber disziplinierter als notwendiges Übel. Und sind tieftraurig, wenn sie statt einer 1 nur eine 2 bekommen. Im Prinzip hast du aber Recht – Spaß am Lernen muss bestärkt werden. Nicht aber diese Fixiertheit auf Noten, die so schön dem Impetus unserer heutigen Gesellschaft entspricht.

    Viele Grüße
    Dagmar

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