Keine Lust! – Wie Kinder und Jugendliche zum Lernen motiviert werden können

Dieter Schütz - pixelio.de

Heute bin ich auf die Website des IFLW, dem Institut für integratives Lernen und Weiterbildung gestoßen und habe dabei einen interessanten Artikel gelesen. Er knüpft an meinen letzten Beitrag und der Frage nach der Motivierung von Kindern und Jugendlichen im Bezug auf Lernen an.

In dem Artikel werden verschiedene Ratschläge gegeben, wie Schüler im Unterricht mehr motiviert werden können. Zunächst sollte das zu vermittelnde Thema an das Alter sowie den Interessen der Schüler angepasst sein. Außerdem sollten nicht ständig die selben Methoden benutzt werden und die Räumlichkeiten in denen gelernt wird, sollten eine angenehme Atmosphäre ausstrahlen. In wie weit können diese Aspekte in deutschen Schulen umgesetzt werden? Durch die Lehrpläne und die darin enthaltenen Inhalte kann davon ausgegangen werden, dass die zu vermittelnden Themen an das Alter und die Interessen der meisten Schüler angepasst sind. Dies lässt sich aber nicht verallgemeinern, mehrere Schüler können trotz des selben Alters sehr unterschiedliche Interessen haben. Bezüglich der Methodenwahl kommt mir meine Schulzeit wieder in die Erinnerung. In der Grundschule fand regelmäßig ein Methodenwechsel statt. Es gab zwar hauptsächlich Frontalunterricht, der wurde aber durch verschiedene andere altersgerechte Methoden aufgelockert. Im Musikunterricht wurde zum Beispiel das Hörspiel „Peter und der Wolf“ angehört und wir mussten herausfinden welche Instrumente benutzt wurden.

Im Gymnasium schließlich gab es die ersten zwei Jahre auch noch einen regen Methodenwechsel. Im Biologieunterricht sind wir zum Beispiel in einen nah gelegen Wald gegangen um Blätter und Pflanzen zu sammeln. Nach der 6. Klasse hörte diese Methodenvielfalt dann aber leider auf und der Unterricht bestand fast ausschließlich nur noch aus Frontalunterricht und dem Bearbeiten von Arbeitsblättern. Zwischendurch musste jeder Schüler ein Referat in verschiedenen Fächern halten. Lediglich in Chemie und Physik wurden ab und zu Experimente vorgeführt bzw. auch mit unserer Hilfe durchgeführt. Diese Möglichkeiten solcher Experimente bieten zwar hauptsächlich nur naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie, aber ich bin der Meinung, dass es auch in Fächern wie Englisch oder Deutsch andere Möglichkeiten gibt um Wissen zu vermitteln als Frontalunterricht bzw. das reine vermitteln und auswendig lernen von Inhalten. Dieses Auswendiglernen hat mir persönlich fast nie weiter geholfen. Ich habe für eine Klausur etwas auswendig gelernt und danach hatte ich es schnell wieder vergessen. Wenn ich mich aber wirklich mit einem Thema auseinandergesetzt habe und es angewendet habe, dann behielt ich es auch länger, auch über die Klausur hinaus.

Hierzu gibt es wie ich finde ein schönes Video von einem Interview mit Prof. Dr. Theo J. Bastiaens. Ab ca. 3.30 Min. spricht er genau über dieses Thema, Auswendiglernen für Klausuren, Vermittlung von Faktenwissen… Für ihn ist diese reine Vermittlung von Faktenwissen überholt. Gewisse Grundlagen müssen zwar vorhanden sein, aber alle Fakten auswendig zu können ist im Zeitalter des mobilen Internets nicht mehr nötig. Wenn Informationen benötigt werden, schlägt man diese schnell nach. Es ist eher viel wichtiger mit dem Wissen umgehen zu können, zu wissen wie und wann man es in welchem Kontext einsetzen kann. Also eine Kompetenz zu erlangen mit Wissen richtig umgehen zu können. Um diese Aspekte in deutschen Schulen umzusetzen, bedarf es wohl erst einer neuen Reform. Im Hochschulbereich sieht dies anders aus. Herr Prof. Dr. Bastiaens ist Lehrender an der Fernuniversität in Hagen. In den von ihm betreuten Modulen setzt er das oben genannte um. Es wird von den Studierenden nicht verlangt, dass sie viele Dinge für eine Klausur auswendig lernen müssen, sondern die Lernenden haben das ganze Semester die Möglichkeit das Gelernte praktisch umzusetzen. Am Ende des Semesters steht dann eine Hausarbeit, bei dem das Gelernte auf eine spezielle Fragestellung hin angewendet werden muss. Zur Zeit studiere ich auch ein Modul von Prof. Dr. Bastiaens und diese Art von Lernen war erst sehr ungewohnt für mich, da sie für mich neu war. Nach fast einem Semester muss ich sagen, dass diese Methode wirklich sehr gut ist und viel motivierender wirkt als reine Wissensvermittlung mit Blick auf reines Lernen für eine Klausur. Das ständige Anwenden des Gelernten in der Praxis ermöglicht es beide Seiten besser zu verstehen: Theorie und Praxis. Hierbei stößt man oft auf Probleme, ohne die man nur durch die reine Theorievermittlung nie gekommen wäre.

Jetzt bin ich ganz von dem ursprünglichen Artikel abgewichen. Hierzu noch kurz ein Aspekt aus dem Beitrag, den ich auch sehr interessant fand. So heißt es:

„Wenn Eltern an die Schule denken, kommen ihnen die fernen Ziele in den Sinn: Bleibt mein Kind dieses Jahr sitzen? Wird es den Realschulabschluss schaffen? Die Kinder selbst leben im Hier und Jetzt. Appelle an die Vernunft („Es geht um deine Zukunft!“) nützen wenig. Hat ein Kind keine Lust auf Schulisches, kann man es auch nicht mit der Aussicht auf ein neues Fahrrad am Ende des Schuljahres locken. Für das Kind ist das zu weit in der Ferne und damit wenig greifbar. Besser ist eine Orientierung an Nahzielen: das Aufsagen eines Gedichts am nächsten Schultag, das Diktat in drei Tagen oder die Klassenarbeit in einer Woche. Auch erwachsene Lerner profitieren von einem Unterteilen großer Projekte in kleine, überschaubare, leichter zu bewältigende Teilschritte. So stehen wir nicht vor einem scheinbar unüberwindbaren Berg von Stoff, dessen Anblick uns davon abhalten kann, überhaupt erst mit der Arbeit zu beginnen.“

Kinder haben meist einen ganz anderen Blickwinkel als ihre Eltern. Der Aspekt, dass der Fokus eher auf Nahziele statt auf Fernziele gelegt werden soll, finde ich sehr wichtig. Ich persönlich berücksichtige diesen Aspekt für mich selbst auch. Habe ich ein bestimmtes Ziel vor Augen (z.B. ein neues Semester erfolgreich absolvieren), dann schaue ich erst was alles dafür benötigt wird um es erfolgreich abzuschließen, d.h. ich teile dieses große Ziel in viele kleine Teilziele ein. Diese notiere ich mir mit bestimmten „Deadlines“, die ich beachten muss um zum Beispiel Aufgaben einzureichen. Während des Semesters orientiere ich mich immer wieder an dieser Auflistung der Teilziele und freue mich jedes Mal wenn ich einen Aspekt von der Liste streichen kann. Es ist viel leichter viele kleine Steine über einen längeren Zeitraum aus dem Weg zu räumen als einen Großen Stein auf einmal.

Mit dieser kleinen Metapher verabschiede ich mich von euch für heute.

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7 Antworten zu Keine Lust! – Wie Kinder und Jugendliche zum Lernen motiviert werden können

  1. rudolfbogner schreibt:

    Hallo Martina,
    ich studiere wie du an der FU Hagen im Masterstudiengang „Bildung und Medien“. So lange ich mich mit Pädagogik befasse ich das Thema „Motivation“ eines der zentralen Themen. Als ich deinen Artikel las kam mir plötzlich der Gedanke,ob wir mit diesen verschiedenen Möglichkeiten nicht versuchen notdürftig zu reparieren was wir früher an den Kindern falsch gemacht haben. Ähnlich wie ein Arzt, der einem Patienten zwei Medikamente verschreibt, doch das zweite aus dem Grunde um die Nebenwirkungen des ersten zu behandeln. Lernen ist für den Menschen lebensnotwendig. Vom Tage seiner Geburt an lernt der Mensch: Die Sprache seiner Umgebung, was für ihn gut ist und was weniger gut, er lernt laufen, später lernt er dann die Welt der Zahlen und er lernt, wie man Wörter und Sätze richtig schreibt. Da Lernen für uns so wichtig ist, ist es am „Belohnungssystem“ des menschlichen Körpers angeschlossen. Wenn wir etwas gelernt haben, uns irgend ein neues Gebiet erfolgreich angeeignet haben wird Serotonin (das „Glückshormon“) ausgeschüttet und wir fühlen uns gut. Dieses Belohnungssystem funktioniert auch, bis der Mensch in die Schule kommt und er ab der ersten Klasse mit Fragen der Schullaufbahn, der Leistungsmessung und des Konkurrenzdenkens konfrontiert wird. Jetzt wird nicht mehr Serotonin sondern Adrenalin ausgeschüttet und dieser Stoff entsteht bei Stress und bei Gefahr. Die Kinder erleben lernen nicht mehr als lustvoll sondern als Stress und jetzt brauchen wir alle möglichen Tricks und Kniffe um die Schüler zu motivieren. Das wäre nicht nötig, wenn wir nicht zuvor die Motivation der Schüler zerstört hätten.
    Ich gebe zu, meine These ist etwas provokant, doch da ich mich vom „normalen“ Schulaltag verabschiedet habe erlaube ich sie mir,.

    • Martina schreibt:

      Ich finde deine Idee sehr interessant.
      Aber besteht vor der Schulzeit nicht auch schon teilweise Konkurrenzdenken? Jedes Mal wenn sich Kinder (im Spiel) messen? Wer baut den höchsten Turm, wer schafft es als erster auf den Baum zu klettern etc.? Da ist doch bestimmt auch Adrenalin mit im Spiel. Und ich kenne es aus meiner Kindheit dass es mir aber trotzdem noch Spaß gemacht hat zu lernen wie ich z.B. am besten und schnellsten einen Baum hoch komme.
      In der Schule besteht natürlich ein viel höherer Leistungsdruck. Aber trotzdem schaffen es doch einige Kinder immer noch Freude am lernen zu haben und das trotz (oder gerade wegen?!) des Konkurrenzdenkens.
      Aber wie könnte man dieses Problem für die andere Seite lösen, für die Schüler wie du schreibst, die eben mit lernen dann Stress verbinden? Noten ganz abschaffen, so wie in den ersten Jahren auf Waldorfschulen? Das denke ich, ist nicht der richtige Weg. An diesem Punkt finde ich, dass die Eltern viel auf das Kind einwirken können. Wenn die Eltern dem Kind einimpfen, dass es bloß mit guten Noten nach Hause kommt und das Zeugnis nur Einsen und Zweien haben darf, dann entsteht in dem Kind ein immenser Druck, und Lernen wird zum stressigen Übel.

      • Katja Rummler schreibt:

        Hallo Martina,
        ich finde den Konkurrenzgedanken auch nicht so maßgeblich. Meiner Erfahrung nach führen die aktuellen Unterrichtsmethoden zu mehr Kooperation und einem ausgeprägterem Teamgedanken. Der Stress entsteht in Zeiten von G8 durch die Fülle an zu vermittelnden Inhalten in kürzerer Zeit. Er entsteht aber auch durch Schultage, die bis 17 oder 18 Uhr dauern und das mehrere Tage in der Woche. Wer kann sich in der 10. und 11. Stunde noch konzentrieren? Aber sicherlich ist es so, dass schüleraktivierende Unterrichtsformen auch in diesem Gemütszustand zu besseren Lernergebnissen führen als der Vortrag von Fakten. Allerdings finde ich es schwierig das Interesse von 30 unterschiedlichen Schülern zu treffen.
        Um auf das Thema unseres Studienganges zurückzukommen, wenn neue Medien die Interessen, die Motivation und die Kompetenzen der Schüler/innen fördern sollen, dann müssen den Lehrern mehr Fortbildungsmöglichkeiten in den Fächern angeboten werden. Denn auch Lehrer gehören zu den Menschen, die lebenslang lernen. Und eine motivierende Fortbildung, die den Lehrer ausstattet mit neuen Ideen und Kompetenzen mediengestützten Unterrichts, wird auch zu guten und aktuellen Unterricht führen.

        Herzliche Grüße,
        Katja Rummler

  2. Doris schreibt:

    Hallo Martina,
    finde deine Blog ganz Klasse! 🙂
    Bin jetzt ganz begeistert von den Video mit Prof. Bastiaens, er hat wunderbar formuliert, was wir jetzt eigentlich gerade machen.
    Muss mich erst mal beruhigen….

    • Martina schreibt:

      Danke schön. Ich finde das Interview mit Prof. Bastiaens auch sehr gelungen.
      Finde es schön wie er den ganzen Aspekt mit dem selbständigen Lernen etc. formuliert hat.

  3. rudolfbogner schreibt:

    Hallo Martina, hallo Katja,
    ich gebe euch recht das Konkurrenzdenken durchaus den Lernprozess fördern kann. Allerdings muss man beachten, dass es zwei Arten ngvon Konkurrenz gibt. Wenn man spielerisch damit umgeht (wie es Kinder besonders in der Vorschule und oft auch noch in der Grundschule tun) dann fördert das den Spaß, die Kreativität und somit auch den Lernerfolg. Solche eine Art der „produktiven“ Konkurrenz ist in der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ zwischen dem Elfen Legolas und dem Zw erg Gimli sehr schön dargestellt. Es gibt aber auch eine andere Art der Konkurrenz, dort geht es nicht um Spiel und Spaß sondern um eine bessere Schulaunsbildung, bessere Noten und um ein besseres Abitur. Diese Werte sind per se nicht schlecht, doch sie werden durch Eltern und Lehrern den Kindern auf eine Art und Weise vermittelt die Ängste auslösen: Die Kinder werden als Versager bezeichnet, wenn sie eine gestellte Leistung nicht erfüllen (wohlgemerkt nicht nur von Eltern sonder auch von angeblich pädagogisch geschulten Fachkräften), Bildung wird als ein Wert angesehen der seinen Sinn nicht in sich selber hat sondern nur im Vergleich mit anderen einen Sinn ergibt. So kann Lernen keinen Spaß machen.

  4. Liebe Martina,
    Dein Blog ist sehr informativ, interessant und sehr gut strukturiert; – das Thema Lernen ist mir ebenfalls eine Herzensangelegenheit. Im Blog „KIDZ & SPORTZ & COMPETENZ“ behandele ich die Zusammenhänge von Sport und Lernen vor allem in Bezug auf Kinder und Jugendliche. Dabei bin ich auf interessante Konzepte und Links gestossen: schau doch mal rein; vielleicht können wir uns dann austauschen. Liebe Grüsse
    Carola

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